Arthrose – Gelenkverschleiß an den Fingergelenken

Arthrose ist auch an der Hand ein häufiges Phänomen. Arthrosen verändern das äußere Erscheinungsbild der gesamten Hand, sind häufig schmerzhaft und stören die Greiffunktion.

24 Gelenke an der Hand sorgen für ein präzises Zugreifen in allen Situationen des täglichen Lebens. An den Langfingern gibt es Grund-, Mittel- und Endgelenke. Am Daumen gibt es nur ein Grundgelenk und ein Endgelenk. Jedes Gelenk hat eine unterschiedliche Bedeutung für den einzelnen Finger und für die Gesamtfunktion der Hand.
Für die grün markierten Gelenke existieren Erfolg versprechende operative Behandlungsmethoden.

Bei Gelenkschäden an den rot markierten Gelenken sollte eher abgewartet werden und zunächst die nicht-operativen Behandlungsmethoden ausgeschöpft werden.

Selbstverständlich können abgenutzte Gelenke nicht in ihrer ursprünglichen anatomischen Form wiederhergestellt werden. Es gibt allerdings jeweils sehr verschiedenartige OP-Methoden

Zuvor soll die folgende Abbildung nochmals die korrekte Bezeichnung der einzelnen Gelenke sicherstellen:

Für den Daumen herrschen natürliche eigene Gesetze.
Der Daumen ist der „BOSS“.

Er hat eine gewisse Sonderstellung in der Reihe der Finger,
er steht zu den sogenannten Langfingern in einer Oppositions-Stellung als stabiles Gegenüber.

Wichtig am Daumen ist nicht ein maximales Bewegungsausmaß, sondern eine schmerzfreie Stabilität. Dies muss man bei der Wahl des Operationsverfahrens berücksichtigen.

Diagnose

Das Röntgen bietet eine gute Information über den Zustand der einzelnen Gelenke.
Gelenkflächen bestehen normalerweise aus 2 zu einander passenden Knorpelflächen, Gesunde Gelenke zeigen zwischen den knöchernen Anteilen einen gleichmäßigen Gelenkspalt, der nicht mit Luft, sondern mit Knorpel gefüllt ist. (s. weiße Pfeile – Knorpel lässt sich auf dem Röntgenbild nicht direkt darstellen) Wenn der Knorpel an Substanz verliert und sich ein Gelenkverschleiß (Arthrose) entwickelt, dann ist der Spalt entsprechend kleiner.

Schließlich kann im Extremfall Knochen auf Knochen reiben. Dies ist in der Regel mit entsprechenden Schmerzen verbunden. Im weiteren ist dann auch von außen eine Verformung des Fingers erkennbar. An den Endgelenken spricht man von der Heberden-Arthrose, an den Mittelgelenken von der Bouchard-Arthrose. Der alleinige Befall der Endgelenke ist meistens nicht rheumatischer Herkunft, sondern vererbt.

Therapie

Bezüglich der Therapie der Arthrose bestehen unterschiedliche Erwartungen. Das Gelenk sollte möglichst schmerzfrei, beweglich und formschön sein. Diese Anforderungen lassen sich nicht immer realisieren. Im folgenden werden die unterschiedlichen Op-Methoden dargestellt.

Prinzipiell gibt es folgende OP-Methoden:

1. Die Denervation der zerstörten Gelenke, hierbei werden die Schmerzfasern der Gelenkkapsel durchtrennt, um eine Schmerzreduktion bei erhaltener Beweglichkeit zu erreichen (= isolierte Nervendurchtrennung um die Gelenke herum) meist in Kombination mit einer Gelenkschleimhaut-Entfernung (sog. Synovialektomie)

2. Endoprothetischer Gelenkersatz (Kunstgelenk)

3. Gelenkentfernung mit Ersatz durch Kapsel-Gewebe (sog. Arthroplastik)

4. Versteifungs-Operation, sogenannte Arthrodese

Therapie der Arthrose der Endgelenke

In der Anfangsphase: Entzündungshemmende Medikamente (sog. NSAR), Ruhigstellung mit äußeren Schienen (Orthesen), kühlende Umschläge und evtl. Cortison – Spritzen in die Gelenkkapsel.

In der fortgeschrittenen Phase: An den Endgelenken besteht die Möglichkeit der Versteifungs-Operation (sog. Arthrodese).

Nachbehandlung: Nach einer Versteifung eines Finger-Endgelenkes wurden früher Gipsverbände über 6 Wochen angelegt. Durch die Verwendung von stabilen Titan-Schrauben (sogenannte Herbert-Schrauben) kann heutzutage völlig gipsfrei nachbehandelt werden. Rasch können so die Nachbargelenke wieder beübt werden. Mit völliger Schmerzfreiheit ist trotzdem erst nach 8-10 Wochen zur rechnen, zumal die Schraube von der Fingerspitze her eingebracht wird und an dieser Stelle zu einer länger dauernden Überempfindlichkeit führen kann.

Wie ist die Beweglichkeit nach einer Versteifung eines Finger – Endgelenks?

Es besteht noch eine erstaunlich gute Gesamtbeweglichkeit des Fingers. Das Grund- und Mittelgelenk ist weiterhin frei beweglich, das Endgelenk bleibt in einer leichten Beugestellung versteift, der komplette Faustschluss ist nicht mehr ganz möglich.

Die folgenden Bilder zeigen die Situation nach Endgelenkversteifung. Die gelben Pfeile deuten auf das versteifte Endgelenk. Die eingebrachte Schraube ist von außen nicht erkennbar, sie muss in aller Regel nicht mehr entfernt werden.

Therapie der Arthrose der Mittelgelenke und Grundgelenke

An diesen Gelenken sollten Operationsverfahren gewählt werden, die möglichst viel Beweglichkeit erhalten. Wir favorisieren an dieser Stelle den Ersatz der aufgebrauchten Gelenkflächen durch Kunstgelenke, wie z.B. die Pyrocarbon-Prothesen. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich hierbei um hitzegehärtetes Carbon. Hierfür kommen Grundgelenke und Mittelgelenke in Frage, die schmerzhaft aufgebraucht sind. Die folgenden Bilder zeigen das Beispiel eines Zeigefingergrundgelenk-Ersatzes mit einer Pyrocarbon-Prothese und das Ausmaß der Beweglichkeit für Streckung und Beugung.


Der Patient ist wegen völliger Schmerzfreiheit sehr zufrieden. Wie in der Endoprothetik an allen Gelenken des menschlichen Körpers muss auch hier langfristig – abhängig von der Aktivität – mit einer späteren Austausch-Operation gerechnet werden.