Strecksehnen-Risse (geschlossene Sehnen-Rupturen)

Abrisse der Strecksehnen können am Grund-, Mittel- und Endgelenk vorkommen. Sie sind hier der Häufigkeit nach sortiert.

Abriss der Strecksehne am Fingerendgelenk („Hammer-Finger“, Mallet-Finger)

Bereits harmlose Bagatell-Verletzungen können zu einem Abriss der Strecksehne an den Fingern führen. Meist passiert dies z.B. beim Betten machen oder bei Ballsportarten. Derartige Anprall-Verletzungen verursachen einen Abriss der Sehne an der Basis des Endgliedes. Natürlich setzt dies einen gewissen Verschleiß der Sehnen ab Lebensmitte voraus.

Der Pfeil deutet auf den Abriss der Strecksehne hin. Das Endgelenk kann nicht mehr aktiv gestreckt werden, es hängt unterschiedlich stark nach unten. Mit einem Röntgen-Bild in 2 Ebenen sollte man auf jeden Fall eine knöcherne Verletzung ausschließen.
Die Behandlung sollte an den Langfingern konservativ erfolgen. Für 8 Wochen sollte eine Kunststoff-Schiene angepasst werden. Für den Zweck der Reinigung muss die Schiene kurzzeitig abgenommen werden (meist genügt 1x pro Woche). Hierbei muss allerdings peinlichst darauf geachtet werden, dass die Streckung im Endgelenk beibehalten wird, z.B. durch Abstützen an der Tischkante oder durch familiäre Unterstützung. Sollte es während dieser Behandlungszeit versehentlich zu einem Abknicken des Endgelenkes kommen, „beginnen die 8 Wochen von vorne“.

In der passiven Streckung in der Schiene hat die Sehne die Möglichkeit wieder an korrekter Stelle anzuheilen. Bei dieser Behandlungsform ist mit einer ca. 90 %-igen Ausheilung zu rechnen. Eine sofortige Operation kommt nur am Daumen in Betracht. Nur an diesem Finger ist die Sehne kräftig genug, um diese wieder zuverlässig am Knochen anzunähen. Allerdings sind derarige Verletzungen am Daumen sehr viel seltener.

Was ist ein gutes Ergebnis?

Nach Schienenabnahme verbleibt meist ein Streckdefizit von 10 – 15°. Dies ist ein akzeptables Ergebnis. Damit können sich die meisten Patienten arrangieren und den Alltag gut bewältigen. Wenn der Finger allerdings 30° oder mehr nach unten hängt, muss man über eine spätere Operation sprechen.
In diesem Fall muss die Sehne operativ verkürzt werden, gleichzeitig wird für ca. 6 Wochen ein Draht durchs Endgelenk eingebracht, um die Position zu sichern.

„Die Plastik-Schienen passen bei mir nicht!“

Es kommt gelegentlich vor, dass die konfektionierten Schienen von der Stange ( sogenannte Stak´sche Schienen ) auf den individuellen Finger nicht passen. In diesen Fällen besteht die Möglichkeit, sich von einer Ergotherapeutin eine Kunststoff-Schiene aus verformbaren Material anpassen zu lassen. Hierzu wird ein Rezept benötigt. Der Vorteil dieser Thermoplast-Schienen ist die bessere Passgenauigkeit und die leichtere Handhabung, da sie nur mit Klett-Bändern und nicht mit Pflastern befestigt werden.

Was passiert nach den 8 Wochen Schienenbehandlung?

Zur Schienenabnahme sollten Sie sich nochmals bei uns vorstellen. Dann können unter Anleitung die ersten Bewegungsübungen durchgeführt werden. Zuhause können Sie dann auch im warmen Wasser mit Übungen beginnen. Grobe Bewegungen mit vollem Krafteinsatz sollten nun allerdings noch vermieden werden. Es empfiehlt sich zusätzlich eine ergotherapeutische Beübung. Mit Ballsportarten sollten Sie dann nochmals 4 Wochen warten und die Schiene weitere 2 Wochen noch nachts tragen.

Wenn der Finger nach 8 Wochen Schiene noch immer hängt?
http://www.handchirurgie-hofbeck.de/wp-admin/post.php?post=931&action=edit#TB_inline?&inlineId=choose-meta-slider
Auch in dieser Situation besteht noch Hoffnung, ohne Operation zu einem guten Ergebnis zu kommen. Studien zeigen, dass eine nochmalige Behandlungsphase über 6 – 8 Wochen in gleicher Weise zu einem Anheilen der Sehne führen kann. Es gibt aber die Möglichkeit auch zu einem späteren Zeitpunkt eine Verbesserung der Streckfähigkeit zu erreichen, indem eine operative Sehnenraffung durchgeführt wird. Hierbei wird die Sehne stufenförmig verkürzt, genäht und das Gelenk mit einem Draht über mindestens 7 Wochen in Streckstellung gehalten ( sog. Baumeister-Plastik ).

Wenn eine spätere Operation nicht zu umgehen ist…

…müssen Sie allerdings trotzdem den Finger zumindest passiv beweglich halten, damit er nicht in der Beuge-Fehlstellung einsteift.

Sehnenabrisse am Mittelgelenk

…können sehr schnell zu einer sogenannten Knopflochdeformität führen.

Nach Sturz auf den Finger konnte das Mittelgelenk nicht
mehr gestreckt werden. Eine Operation war in diesem Fall
unumgänglich und zeigte einen Sehnenriss direkt über
dem Mittelgelenk. Dieser wurde entsprechend genäht.
Wenn die Sehnen-Qualität noch gut ist und die Nähte
einen stabilen Eindruck machen, kann man
frühfunktionell – nach einem speziellen Schema –
die Sehnenverletzung nachbehandeln. Dieses Scheme
heißt kurz SAM,
entsprechend Short-Arc-Motion
Hierbei werden frühzeitig aktive und passive
Bewegungen durchgeführt, um eine Einsteifung des
Gelenkes zu verhindern. Außerhalb der Übungsphasen
werden Thermoplast-Schienen angelegt. Es erfordert
eine gute Mitarbeit des Patienten und entsprechend
geschulte Handtherapeuten. Der hohe Aufwand lohnt
sich allerdings.

Diese Sehnenabrisse über dem Mittelgelenk werden leider leicht übersehen, so dass häufig Patienten erst verzögert zur OP kommen. Das folgende Beispiel zeigt die Situation 8 Wochen nach unerkanntem Sehnenriss, zunehmende Verkrümmung des Fingers.

Das Mittelgelenk kann nicht mehr gestreckt werden…Es kommt zu einer zunehmenden Fehlstellung des Gelenks, die Sehnenzügel rutschen weiter zur Seite, von Woche zu Woche wird die Funktionsstörung offensichtlicher…
8 Wochen nach der Sehnennaht und SAM-Nachbehandlung… wieder fast komplette Streckung und komplette Beugung im Mittelfinger.

Sehnenriss Grundgelenk (Ruptur der Streckerhaube)

Auch über dem Grundgelenk können nach Sturz auf den Finger oder nach einem Boxschlag Sehnenrisse auftreten. Die linke Abbildung zeigt am Mittelfinger den normalen Sehnenverlauf über dem Grundgelenk und am Zeigefinger den Durchriss der Streckerhaube mit Abweichung der Strecksehne zur Seite. Dadurch kommt es beim Faustschluss zu einem unangenehmen Schnappen der Sehne.
Die beiden rechten Bilder wurden mit Photoshop verfremdet. Hier kommt es allerdings nicht zu einem Durchriss der Sehne mit Durchtrennung der Kontinuität, sondern zu einer Zerreißung des Haltesystems, der sogenannten Streckerhaube.

Diese ist wichtig für den zentralen Lauf der Strecksehne über dem Gelenk. Ganz rechts die Situation nach Naht der Streckerhaube.

Anschließend muss rasch wieder mit einer geführten und kontrollierten Übungsbehandlung begonnen werden, damit es nicht zu einer Verklebung der Sehne im Nahtbereich kommen kann.