Arthrose des Daumensattelgelenkes – Rhizarthrose

Der Daumen ist im Laufe eines Lebens hohen Belastungen ausgesetzt. Dreh- und Angelpunkt ist das Daumensattelgelenk.

Es verbirgt sich im Daumenballen und ermöglicht das Rotieren des gesamten Daumens und das Gegenüberstellen des Daumens zu den anderen Fingern (sog. Opposition). Eine Arthrose dieses Gelenkes wird Rhizarthrose genannt und ist relativ häufig: 10% der Frauen über 50 Jahre sind hiervon betroffen, bei Männern tritt diese Form der Arthrose seltener auf.

Symptome

„Ich kann keine Flasche mehr aufmachen.
Gegenstände fallen mir plötzlich aus der Hand.
Manchmal habe ich sogar in Ruhe oder nachts Schmerzen am Daumenballen.“

(die Abbildung links wurde freundlicherweise von www.ottobock.de zur Verfügung gestellt)

Diagnose

Durch eine einfache Röntgenuntersuchung in 2 Ebenen. Hierbei zeigt sich eine Verschmälerung des Gelenkspaltes, möglicherweise auch ein Auswandern des Daumens aus dem Sattelgelenk, zuweilen auch cystische Veränderungen im Knocheninneren.

Das Foto links zeigt das Betasten des Daumensattelgelenkes im Bereich des Daumenballens. Auch das passive Durchbewegen des Gelenken bereitet Schmerzen und liefert wichtige Informationen über das Gleitverhalten des Daumensattelgelenkes.

Der Gelenkspalt zwischen dem großen Vieleckbein und der Basis des 1. Mittelhandknochens ist nicht mehr vorhanden. Die Kontaktflächen dieser beiden Knochen bilden das Daumensattelgelenk. Hier reibt gewissermaßen Knochen auf Knochen.
Diese Schemazeichnung zeigt als Ausdruck der Arthrose knöcherne Anbauten am großen Vieleckbein. Diese Anbauten werden auch Osteophyten genannt und stellen eine weitere Schmerzursache dar, denn diese Anbauten können an den Nachbarknochen reiben und die Funktion des Daumens weiterhin stören.
Der Gelenkverschleiß kann zusätzlich zur Entwicklung von Hohlräumen in den Gelenk-nahen Abschnitten der Knochen führen, sogenannten Cysten.
Durch den Abrieb der Gelenkflächen kommt es zu einer Instabilität des Gelenkes und zu einem Auswandern des Mittelhandknochens aus dem Daumensattelgelenk. Es entwickelt sich eine Ausrenkung des Gelenkes (sog. Luxation oder im Anfangsstadium Subluxation)

Therapie

Es besteht zu Beginn der Erkrankung die Möglichkeit der nicht-operativen Therapie: Vorübergehende Ruhigstellung in einer Gipsschiene oder einer Orthese ( z.B. Rhizoloc-Schiene ), die Verabreichung von entzündungshemmenden Medikamenten in Tablettenform, Hilfreich kann auch die Durchführung von handtherapeutischer Ergotherapie sein. Hierbei können Techniken zur Entlastung des Daumens im Alltag erlernt werden.

Hyaluron-Säure-Injektion

Wissenschaftliche Studien und eigene Erfahrungen haben gezeigt, dass in den noch nicht fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung eine Injektion mit Hyaluronsäure direkt in das Gelenk sehr hilfreich sein kann. Dies gilt vor allem für Patienten, die hinsichtlich einer Operation noch unentschlossen sind oder aus beruflichen Gründen noch keine Zeit haben.
Die Injektion erfolgt unter Röntgen-Bildwandler- Kontrolle, um sicher zu gehen, dass die Nadel in diesem kleinen Gelenk auch korrekt zu liegen kommt und seine volle Wirkung entfalten kann. Dies ist allerdings eine Selbstzahler-Leistung (Infos in unserer Praxis)
Einige wissenschaftliche Quellen, die eine positive Wirkung von Hyaluronsäure bei der Behandlung der Rhizarthrose belegen (dies gilt unserer Erfahrung nach nicht für die fortgeschrittenen Stadien):

J Clin Rheumatol. 2005 Dec;11(6): 299-302.Comparison of intraarticular injection of depot corticosteroid and hyaluronic acid for treatment of degenerative trapeziometacarpal joints

Joint Bone Spine. 2007 Jul;74(4): 368-72. Epub 2007 May 24 Injection of intra-articular sodium hyaluronidate (Sinovial) into the carpometacarpal joint of the thumb (CMC1) in osteoarthritis. A prospective evaluation of effica

Operation

Bei Zunahme der Beschwerden und deutlicher Störung der Handfunktion im Alltag empfiehlt sich die Operation (ambulant oder kurzstationär). Hierbei wird das großes Vieleckbein, auf dem der gesamte Daumen sitzt, entfernt und durch eine Sehnenschlaufe ersetzt. Bei stabilen Bandverhältnissen kann auf diese Sehnenschlaufe im Einzelfall auch verzichtet werden, dies zeigt sich während der manuellen Überprüfung bei der Operation.

Bei der Operation wird das großes Vieleckbein entfernt und durch eine Sehnenschlaufe ersetzt.

Wie sieht das entfernte Vieleckbein aus?

Man blickt auf die Gelenkfläche des Daumensattelgelenks, auf der der gesamte Daumen sich hin- und her bewegt und gegenläufige Drehbewegungen vollführt.

Wenn im Zuge der Arthrose die weißlichen Knorpelflächen abgenutzt sind,
entwickeln sich zwangsläufig Schmerzen unterschiedlicher Ausprägung.

Operationstechnik APL-Sehnen-Plastik

Ein Teil der Daumen-Abspreiz-Sehne ersetzt das entfernte Vieleckbein und wird hier um eine andere Sehne (die Handgelenk-Beugesehne) geschlungen und mit sich selbst vernäht. Hierdurch wird ein neues „Nest“ für den Daumen geschaffen.

Die Sehne bewirkt einerseits eine Fixation des Daumens an den Zeigefinger-Strahl und andererseits einen Puffer gegen ein übermäßiges Absinken des Daumens in Richtung Kahnbein.

Diese Operations-Methode heißt APL-Plastik, weil hierbei die Abductor-Pollicis-Longus-Sehne verwendet wird, Kunststoff oder Plastik wird hierbei nicht eingesetzt.

Röntgen-Aufnahme nach der Operation

Das entfernte große Vieleckbein hinterlässt einen Freiraum (s. blauer Pfeil), der mit Weichteilen ausgefüllt ist (wie oben beschrieben mit Sehnenstreifen und
Gelenkkapsel).

Meist kommt es zu einem leichten Zurücksinken des Daumens von wenigen Millimetern, der aber in der Regel folgenlos bleibt.

Nachbehandlung

2 Wochen Gipsschiene (bei geringer Schmerzsituation genügt im Einzelfall auch ein Verband) nach Fädenentfernung für weitere 2 Wochen eine Orthese (weiche, zum Duschen abnehmbare Schiene mit Klettbändern) – nach 4 Wochen Beginn mit Ergotherapie/ Handtherapie. Der durchschnittliche Heilverlauf liegt bei 3 – 4 Monaten (mit einer Abweichung im Einzelfall von 2 – 6 Monaten), dann ist bei über 90 % der Patienten eine zufriedenstellende, weitgehend schmerzfreie Situation erreicht.

Rhizarthrose und STT-Arthrose

Neben dem Daumensattelgelenk können auch die Nachbargelenke von der Arthrose befallen sein.

Häufig betroffen ist auch das sogenannte STT-Gelenk. Es liegt zwischen dem Kahnbein (Skaphoid), dem großen Vieleckbein (Trapezium) und dem kleinen Vieleckbein (Trapezoideum).

Eine Arthrose zeigt sich meist bereits auf den Röntgen-Aufnahmen oder während der Operation.

Auf der Röntgen-Aufnahme sieht man die weißlich erscheinenden, zerstörten Gelenkflächen des Daumensattelgelenkes und STT-Gelenkes.

Wenn neben der Rhizarthrose auch eine STT-Arthrose besteht, empfiehlt sich die zusätzliche Teil-Entfernung des kleinen Vieleckbeins. Hier wird die Gelenkfläche zwischen dem kleinen Vieleckbein und dem Kahnbein entfernt und ebenfalls durch einen Sehnenstreifen ersetzt.

Wird die STT-Arthrose nicht mitbehandelt, verbleiben zwangsläufig Schmerzen…

Wenn man zu lange abwartet?

Ohne Operation kann sich eine Versteifung des Daumensattelgelenkes entwickeln. Der Daumen verändert seine Gesamtform, es kommt reaktiv zu einem Auslockern der Nachbargelenke, in diesem Fall zu einer Überstreckung des Daumen-Grundgelenkes.

Die Gebrauchsfähigkeit des Daumens ist dadurch noch mehr beeinträchtigt. Operative Eingriffe sind dann weniger Erfolg versprechend.

Die Röntgen-Aufnahmen meines Daumensattelgelenkes sind noch völlig unauffällig, ich habe aber typische Schmerzen am Daumenballen?

In diesem Fall empfiehlt sich die Durchführung einer MRT-Untersuchung ( Kernspin-Tomographie ). Sie kann die Rhizarthrose auch bei noch unauffälligem Röntgen-Bild nachweisen. Eine Erklärung kann hierfür sein, dass noch gewisse Anteile der gesunden Gelenkfläche erhalten sind und einen normal weiten Gelenkspalt „vortäuschen“.

Die MRT-Untersuchung kann aber auch überraschende Befunde erbringen, z.B. wie in dem folgenden Fall: Ein noch gesundes Daumensattelgelenk bei Vorliegen eines großen Ganglions (Flüssigkeits gefüllte Cyste) um das Daumensattelgelenk herum. Hier kann man selbstverständlich das Gelenk erhalten!